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Rock'n'Roll Sport für Münster
  • Charleston dance contest

    Charleston dance contest in front of St. Louis City Hall, 13 November 1925. Photograph, 1925. Missouri Historical Society Photographs and Prints Collection. Groups. N01603.

    Source: flickr

Geschichte des Rock 'n' Roll

 

Rock 'n' Roll ist mehr als Petticoat!

In Amerika beginnt die Geschichte des Rock ’n’ Roll. 1927 tanzen die Afroamerikaner in den Straßen von New York den „Lindyhop“. Dabei geht es wild zu: Sprünge, Kicks, Handstände und akrobatische Einlagen wie Hebungen gehören zum Boogie-Woogie-Grundschritt dazu. Da ist es auch schon mal die Frau, die den Mann über die Tanzfläche schleudert… Bald wird der Tanzschritt umbenannt in „Jitterbug“, was so viel bedeutet wie „Zitterwanze“. Obwohl dies in mehr als einer Hinsicht auf den ungestümen und von Lebensfreude sprudelnden Tanz zutrifft, lehnten die Engländer die Bezeichnung ab und benannten ihn wiederum „Jive“. Einen weiteren Namen erhielt er 1945. „Bebop“ konnte sich aber nicht halten und in den sechziger Jahren einigte man sich auf „Jive“.

In den USA erreichte diese Art zu tanzen und Musik zu machen nie die gleiche Popularität wie in Deutschland. Ein Grund war sicherlich die in Amerika noch vorherrschende Rassentrennung von Schwarz und Weiß. Was die Schwarzen begeisterte, hatten die Weißen abzulehnen… Dies änderte sich zwar 1954 mit der Aufhebung der Rassentrennung, doch bald musste der Rock’n’Roll als Sündenbock herhalten. Die ausgelassene und körpernahe Art zu tanzen sei „unmoralisch“ und wurde für Aufruhr unter Jugendlichen verantwortlich gemacht. Wer Rock ’n’ Roll tanzte, galt als Krimineller. Rock ’n’ Roll, was übersetzt „wiegen und rollen“ bedeutet, war für Schwarze schon ein feststehender Begriff mit einer deutlichen sexuellen Anspielung. Gefestigt wurde der Begriff aber erst von einem weißen Radio-DJ, der das Lied „Rock, rock, rock everybody – roll, roll, roll everybody“ durch sein Mikrofon laut mitsang.

Mit Bill Haleys „Rock around the clock“ und Elvis Presleys neuartiger, faszinierender Musik gelingt dem Rock ’n’ Roll der Durchbruch. Die Musik steht den ruhigen Klängen Frank Sinatras, dem die Erwachsenen lauschen, gegenüber. Provokant, laut, schnell und anders sind die Rhythmen der Jugend. In den Tanzschulen hingegen wird noch nach der Pfeife der Älteren getanzt und die Boogie-Woogie-Schritte gelehrt. In den späten 50ern endlich greift die Musik über und Rock ’n’ Roll wird zu DEM Tanz. Besonders in Deutschland, Frankreich und Österreich schwingt man das Bein und den Petticoat; die Schweiz kann sich ein paar Jahre ebenfalls dafür begeistern.

 

Rock 'n' Roll heute

Heute trennt man zwei Arten von Rock ’n’ Roll: Den Plausch-Rock ’n’ Roll, den jeder tanzen kann und der je nach Generation meist unterschiedlich gut beherrscht wird, und den Turniertanz-Rock ’n’ Roll, der als „die sportlichste Art zu tanzen“ gilt. Bei den Sportwettkämpfen werden die Paare unter anderem nach Grundtechnik, Akrobatik, Harmonie im Paar und Choreographie bewertet.

Um sich in Kondition, Technik und Kraft zu üben, trainieren die Paare zwei- bis fünfmal pro Woche zwei bis drei Stunden. Zuerst lernt man die Basis: Grundschritt, einfache Drehungen und Akrobatiken. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Einlagen haben dazu geführt, dass der Tanzsport in Tanzklassen unterteilt ist. In jeder Klasse gibt es strenge Auflagen, die bei den Akrobatikausführungen berücksichtigt werden müssen. So darf im Breitensport bei einer Akrobatik die Hüfte der Frau nicht über den Kopf des Herrn gehoben werden, in der B-Klasse muss fast jede Akrobatik geführt werden und in der A-Klasse darf der Doppelsalto erst ab der Zwischenrunde getanzt werden.

In der choreographisch sorgsam ausgearbeiteten Fußtechnik steckt meistens genauso viel Arbeit wie in der sicheren Ausführung der Akrobatik. Das harte Training wird einerseits von Schüler- und Juniorenklassen in den Meisterschaften präsentiert und andererseits von Tanzpaaren in der A-, B- und C-Klasse (A hat das höchste Niveau). Zusätzlich haben bei Breitensportwettbewerben alle aktiven Rock ’n’ Roll-Paare, die noch nicht in den Klassen tanzen, die Möglichkeit ihr Können darzustellen und sich von geübten Wertungsrichtern beurteilen zu lassen.

 

Formationstanzen

Seit 1984 wird auch um den Weltmeistertitel im Formationstanz gekämpft. Gruppen von Tanzpaaren haben vier Minuten Zeit (davon jeweils eine halbe Minute für Ein- und Ausmarsch) mit spektakulärer Akrobatik, kreativer Choreographie und Harmonie im Team eine Rock ’n’ Roll-Show darzubieten.